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Obwohl das Internet zahlreiche Texte, Artikel und Fachpublikationen bereithält, gehören Videos und grafische Elementen zu den am häufigsten konsumierten Inhalten. Warum das so ist und wie Ihr erfolgreichen multimedialen Content erstellt erfahrt Ihr in diesem Gastbeitrag, den Contify für uns verfasst hat.

Im Netz ist jeder erfolgreich? Das war einmal! Das Internet hat längst seine Metamorphose vom spaßigen Unterhaltungsgegenstand der 90er hin zum universalen Alltags- und Informationsmedium beschritten. Ohne ein klares Konzept kann niemand in diesem harten Umfeld bestehen. User haben höchste Ansprüche an Inhalte – und somit entwickeln sich auch Suchmaschinen ständig weiter, um stets die perfekte Antwort auf (Such-) Anfragen der Nutzer ausspielen zu können. Grafische Elemente und eine multimediale Aufbereitung bilden dafür die ideale Basis.

Was heißt eigentlich Multimedia?

Der Begriff „Multimedia“ wird geradezu inflationär von der Technik- und Informationsbranche verwendet. Obwohl er vielen geläufig ist, fällt es einigen Personen schwer zu definieren, welche Aussage hinter diesem großen Terminus steht: Aus trocken fachlicher – instruktionspsychologischer – Sicht bezieht sich Multimedia auf das Medium selbst und beschreibt Angebote, die auf unterschiedliche Speicher- und Präsentationstechnologien verteilt sind, dabei jedoch integriert auf einem Medium präsentiert werden.

Multimedia bedeutet, zahlreiche Hard- und Softwaretechnologien für die Integration von Pixelbildern, Grafiken, Video oder Ton zu nutzen. Neben der Multimedialität spielen auch Interaktivität, Multitasking und Parallelität eine wichtige Rolle.

Die bloße Reduktion auf den medialen Aspekt würde jedoch nicht dem vollen Umfang von Multimedia gerecht werden und entscheidende Charakteristika auslassen. Aus diesem Grund werden zusätzlich zur Medialität auch die Kodalität und Modalität definiert. Diese beiden Maße geben Aufschluss darüber,wie zu vermittelnde Informationen dargeboten und wie diese anschließend wahrgenommen werden. Nur wenn Content sowohl sprachlich als auch visuell vermittelt und vom Nutzer auditiv sowie optisch wahrgenommen wird, lässt sich bei einem Medium wirklich von Multimedia sprechen.

Warum sind Multimedia und Grafiken im Netz so wichtig?

Die logische Frage, die sich zu Multimedia und grafischen Elementen stellt: Was ist daran so erstrebenswert? Informationen können schließlich auch rein textlich vermittelt werden und so den gleichen Effekt erzielen wie eine multimediale Darstellung in Videos und Animationen bzw. in Bildern. Oder? Nein. Der Mensch ist von Grund auf eher faul und insbesondere im Netz spitzt sich dieser Zustand zu. Wir haben einen Überfluss an Informationsanbietern und gelangen mit einem Klick zurück zu den Suchergebnissen. Wenn Inhalte zu sehr anstrengen oder / und unübersichtlich aufbereitet sind, springen User ab.

Lazy people being lazy

Zur genaueren Veranschaulichung eignet sich ein einfaches Beispiel: Wieso sollte sich ein Nutzer die Mühe machen und einen ellenlangen Text über einen hochkomplexen Sachverhalt lesen, wenn er auch genauso gut ein zweiminütiges Erklär-Video mit dem identischen Sinngehalt ansehen könnte. Diese Grundsituation wird zudem durch die enorme Fülle an Informationen verstärkt, die jedem Nutzer über das Internet bereit gestellt wird: Unter nahezu jedem Suchbegriff lassen sich über Bing, Google und Co. tausende an passenden Suchergebnissen finden. Die Folge: Eine extreme Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Anbietern. Durch das üppige Angebot haben User stets die Möglichkeit, die Seite zu wechseln, wenn das präsentierte Informationsangebot nicht ihren Ansprüchen genügt. Grafische und multimediale Inhalte sind also ein ideales Mittel, um die Bounce Rate zu verringern.

Warum sind Multimedia und Grafiken im Netz so wichtig?

Neben der Bequemlichkeit der User spielen auch die psychologischen Voraussetzungen des Menschen eine wichtige Rolle. Unser Gehirn ist, evolutionsbiologisch gesehen, noch immer auf dem Stand der Steinzeit. Eine optimale Verarbeitung von Reizen und Aufgaben des 21. Jahrhunderts ist damit nicht immer gesichert. Diese Situation spiegelt sich gleich in mehreren Theorien wieder:

  • Mehrspeichermodell von Atkinson und Shiffrin
  • Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley
  • SOI-Modell von Mayer
  • Cognitive Load Theory

Einen besonderen Stellenwert nehmen vor allem das SOI-Modell und die Cognitive Load Theory ein, die bei der Analyse von Rezeptionsprozessen nie außer Acht gelassen werden sollten.

Das SOI-Modell
Ähnlich wie diverse verwandte Modelle beschäftigt sich auch das SOI-Modell damit, wie Informationen vom Gehirn aufgenommen und letztlich verarbeitet werden. Während dieses Prozesses werden drei verschiedene Gedächtnissysteme durchlaufen: Das sensorische Gedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. Entscheidend für die Verarbeitung aller Informationen ist aber vor allem das Kurzzeitgedächtnis (auch Arbeitsgedächtnis genannt), in dem sich ein Großteil des mentalen Denkens abspielt.
Arbeitsgedächnis
Limnited Capacity
Quelle: Kognitive Theorien des multimedialen Lernens, Stefanie Pieschl
Trotz der Rolle als zentrale Instanz kann das Kurzzeitgedächtnis nur eine bestimmte Anzahl an Informationen gleichzeitig verarbeiten und speichern – die Komplexität des gelieferten Inputs sollte deshalb stets eine große Rolle spielen. Verallgemeinernd heißt das: Je einfacher die Darstellung, desto besser klappt die Verarbeitung. Genau dieses Ergebnis sollte immer angestrebt werden, denn es hilft nicht nur dem Rezipienten, Inhalte kurzzeitig zu verstehen, sondern unterstützt auch den Prozess der Übertragung ins Langzeitgedächtnis und erhöht damit nicht zuletzt auch die sog. Behaltensleistung.
Die Cognitive Load Theory
Die Cognitive Load Theory hat eine gewisse Sonderstellung in der modernen Psychologie inne: Im Gegensatz zu anderen Verarbeitungstheorien beschäftigt sie sich ausschließlich mit den Prozessen im Arbeitsgedächtnis. Wie erwähnt ist die Kapazität dieses Speichers begrenzt und kann – ähnlich wie ein Eimer – volllaufen. Ist dies der Fall, können keine Informationen mehr verarbeitet und gespeichert werden. Ein sog. Cognitive Overloadist die Folge. Damit dieser Umstand vermieden wird, muss man die Faktoren betrachten, die das Fass wortwörtlich zum überlaufen bringen können:
  • Extraneous Load
  • Intrinsic Load
  • Germane Load
Für einen maximalen Effekt, also eine bestmögliche Verarbeitung der Informationen, müssen Intrinsic, Extraneous und Germane Load möglichst die volle Kapazität des Arbeitsgedächtnisses nutzen, ohne es gleichzeitig zu überlasten.
Der Intrinsic Load (IL) bezeichnet die Belastung durch den Inhalt selbst. Ist dieser kompliziert, ist schon ein guter Teil der mentalen Kapazität beansprucht. Ist er niedrig, verfügt man hingegen noch über größere Ressourcen. Der Extraneous Load (EL) ist die Belastung durch die Darstellung. Je undurchsichtiger diese ist, desto höher fällt der EL aus. Der Germane Load ist im Gegensatz dazu eher eine Variable, denn er bezeichnet die letztlich für die Verarbeitung zur Verfügung stehende Kapazität. Umso kleiner also der IL und EL ausfallen, desto besser ist auch das Verständnis.

Wieso erleichtern Bilder und Multimedia das Verständnis?

Die enorme Bedeutung von Multimedia und Grafikformaten kann gleich auf mehrere Arten logisch verdeutlicht werden. Dennoch ist es bei vielen, zumeist theorielastigen, Erklärungsansätzen schwierig, einen klaren Sinngehalt für die konkrete Anwendung von multimedialen Inhalten zu finden. Eine genauere Betrachtung der natürlichen Veranlagungen des Menschen, welche die mentalen und perzeptorischen Prozesse maßgeblich beeinflussen, leistet dafür ideale Abhilfe.

Drei Herausforderungen, eine Lösung: Der Mensch ist bequem, hat eine begrenzte Aufnahmefähigkeit und muss rezipierte Inhalte ins Langzeitgedächtnis speichern. Sind Informationen ansprechend und strukturiert aufbereitet, können die Herausforderungen überwunden werden.

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Um eine möglichst gute Verarbeitung und damit letztlich auch ein nutzerorientiertes Angebot zu garantieren, das sich gegen die harte Konkurrenz im Internet behaupten kann, sollte den menschlichen Grundeigenschaften Beachtung geschenkt werden.

1. Bequemlichkeit

Menschen gehen stets den für sie einfachsten und effizientesten Weg. Wer auf der Suche nach blanken Informationen ist, wird eher Formate mit Grafiken und Multimedia wählen, als reine Textangebote. Über die visuellen Inhalte können Daten einfacher vermittelt werden, als über geschriebene Erklärungen, die mit erheblichem Lese- und Zeitaufwand verbunden sind.

2. Begrenzte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses

Alle Informationen durchlaufen das Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis, in dem sie verarbeitet und für die Speicherung im Langzeitgedächtnis vorbereitet werden. Da dies nur in einem bestimmten Rahmen möglich ist, muss darauf geachtet werden, den Nutzer nicht zu überfordern und so die mentalen Prozesse zu stören. Bilder, Videos und Animationen können dazu maßgeblich beitragen, wenn sie eine sinnvolle Ergänzung zu Texten sind. Inhalte können dadurch effektiver verstanden werden und so den Extraneous Load reduzieren.

3. Speicherung im Langzeitgedächtnis

Eine erfolgreiche Rezeption ist dadurch gekennzeichnet, dass die wahrgenommenen Inhalte ins Langzeitgedächtnis gelangen, wo sie mit dem bestehenden Vorwissen verknüpft werden. Damit dieser finale Schritt stattfinden kann, muss die Verarbeitung im Arbeitsgedächtnis erfolgreich sein. Nur dann kann ein optimaler Transfer gewährleistet werden. Mit Bildern und Multimedialen Inhalten wird auch dieser Transfer wesentlich unterstützt und dem Nutzer ein Angebotsvorteil gewährleistet.

Obwohl jeder Inhalt, jede Thematik und jedes Multimedia-Angebot unterschiedlich ist, kann man dennoch einige grundlegende Prinzipien für eine nutzergerechte und optimale Gestaltung von Inhalten definieren. Diese sogenannten „Multimediaprinzipien“ erweisen sich nicht nur in der Praxis, sondern auch in der empirischen Psychologie als besonders zielführend und können daher als Basis für die Erstellung von Medienangeboten angewendet werden.

Mit 6 Konzepten zu erfolgreichen Inhalten

Es gibt verschiedene Prinzipien, die als Leitfaden für das Konzeptionieren und Umsetzen erfolgreicher Inhalte dienen. Bilden diese sechs Ideen die Grundlage für die Content-Produktion, steht erfolgreichen, multimedialen Inhalten nichts mehr im Wege.

1| Das Multimediaprinzip

So einfach es klingen mag: Bilder, Videos und/oder Animationen in Kombination mit einem Text führen zu einer effektiveren Verarbeitung als ein bloßer Text. Gerade bei Lageangaben, Funktionsweisen und anderen Beschreibungen von realen Gegenständen oder Abläufen ist es geradezu Pflicht, passende Inhalte zur Veranschaulichung zu wählen.

2| Das Modalitätsprinzip

Das Arbeitsgedächtnis hat zwei unterschiedliche Spuren für die Verarbeitung von Inhalten: Eine für Geräusche und eine für Bilder. Zu den Geräuschen zählen neben einfachen Lauten auch verbale Informationen, also Worte zu den Bildern bzw. zu allem, was optisch mit den Augen wahrgenommen wird. Auch auf diesen Spuren kann es zu Überlastungen kommen. Daher gilt: Bilder, kombiniert mit gesprochenen Worten werden besser verarbeitet, als Bilder, kombiniert mit geschriebenen Worten. Schrift kommt auf demselben Kanal an wie Bilder, während Sprache in einem separaten Prozess analysiert wird. Aus diesem Grund empfehlen sich vor allem Videos und Animationen als sinnvolle Ergänzungen zu Texten.

Ein gutes Beispiel für die Umsetzung des Konzepts ist das Erklärvideo zum „Internet der Dinge“ von Explain It. In dem Beitrag wird vollständig auf längere Textpassagen verzichtet und die Informationen ausschließlich auditiv und in animierter Form vermittelt. Der Zuschauer wird dadurch nicht von den eigentlich relevanten Informationen abgelenkt. Visualisierungen und semantisch sinnvolle Einblendungen unterstützen den Informationsverarbeitungsprozess des Nutzers.

3| Das Kohärenzprinzip

Wie schon zuvor im Multimediaprinzip angeschnitten, ist es sinnvoll, nur thematisch passende Materialien im Text zu integrieren. Sachfremde Angebote lenken nicht nur vom eigentlichen Inhalt ab, sondern stören die Verarbeitung der eigentlich relevanten Informationen. Ein inhaltlicher Abgleich sollte daher in jedem Fall sichergestellt werden. Dieses Prinzip wird zunehmend bei der Konzeption von Online Shops beachtet, da auf diese Weise eine maximale Werbewirkung des Inhalts gewährleistet werden kann. Der Online Shop fensterversand.com setzt die Kohärenz in den Produktbeschreibungen in diesem Beispiel gut um und liefert die semantisch passende Darstellungen zu den einzelnen Passagen.

fensterversand

Quelle: fensterversand.com

4| Räumliche und zeitliche Kontiguität

Der Begriff Kontiguität bezeichnet das Maß der Nähe zwischen zwei Objekten bzw. deren Zusammentreffen. Gerade bei grafischen und multimedialen Inhalten ist dieses Prinzip eine der obersten Normen. Die Darstellungen sollten möglichst räumlich am selben Ort wie die textlich entsprechende Passage stehen, bzw. im Fall von Videos und Animationen zusätzlich am richtigen Zeitpunkt Erklärungen abspielen oder einblenden. Durch die Simultanität muss der Nutzer nicht zwischen unterschiedlichen Positionen auf einer Seite springen und für den Zeitraum des Suchens die aufgenommenen Informationen speichern, sondern kann diese direkt mit einem passenden Angebot in Verbindung bringen. Der Cognitive Load kann dadurch einfach reduziert und ein potenzieller Overload vorgebeugt werden.

Brexit-Abstimmung
Brexit-Abstimmung2

Sowohl die zeitliche als auch die räumliche Kontiguität werden sehr gut in der FAZ-Infografik zum Ausgang des Brexit-Votums umgesetzt. Der Nutzer kann in die Karte ein- und auszoomen und erhält durch eine farbliche Markierung einen ersten Überblick über die Verteilung der Lager. Zusätzlich erscheinen unmittelbar beim Überstreichen der einzelnen Bezirke genaue Prozentangaben zu den Stimmenverteilungen – ein maximaler Informationsgewinn ohne überflüssige kognitive Belastung der Rezipienten ist damit gewährleistet.

5| Das Signaling

Das Signaling bezieht sich als Multimediaprinzip ausschließlich auf Texte. Dadurch, dass einzelne wichtige Worte durch eine besondere Schriftart oder Formatierung hervorgehoben werden, können dem Leser bewusst relevante Informationen aufgezeigt und so deren Einprägsamkeit gesteigert werden. Zusätzlich werden durch Hervorhebungen visuelle Ankerpunkte im Text geschaffen, welche die Orientierung maßgeblich vereinfachen. Die mentale Belastung durch eine komplizierte Darstellungsart kann somit einfach reduziert werden.

6| Das Stimmenprinzip

Obwohl Sprachprogramme wie Google Translate und Siri bereits weit fortgeschritten sind, haben Computerstimmen einen negativen Einfluss auf die Wahrnehmung. Der technische Klang führt dazu, dass mehr kognitive Ressourcen auf das Verständnis aufgewendet werden müssen, als es bei echten, menschlichen Stimmen der Fall ist. Daher sollte nach Möglichkeit auf computerbasierte Synchronisationen von Videos und Animationen verzichtet werden.

Fazit

Schon allein das Multimediaprinzip belegt gut, wie groß die Bedeutung von Grafiken, Videos und Animationen im Internet ist. Sie erleichtern das Verständnis, bieten dem User informative Vorteile und tragen so wesentlich dazu bei, mehr Besucher für die Domain zu gewinnen. Unabhängig von den präsentierten Inhalten sollte konsequent auf folgendes geachtet werden:

  • Eine thematische Übereinstimmung zum Text
  • Eine räumliche und zeitliche Kontiguität
  • Eine sprachliche Hinterlegung von Videos ohne viel Text
  • Eine menschliche Stimme in Videos und Animationen
  • Die Hervorhebung wichtiger Passagen im Textfluss

Mit diesen Prinzipien lässt sich das Potenzial von Videos, Bildern und Animationen optimal nutzen. Auf diese Weise sichern sich Content-Produzenten und Websites die Aufmerksamkeit der User – und somit den Erfolg.

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