Auf der Campixx 2026 kam kaum ein Vortrag ohne sie aus – aber ist die Grounding Page der nächste Pflichttermin oder nur der nächste Hype?
Seit Monaten geistert ein Begriff durch die SEO-Szene: die Grounding Page. Auf der Campixx 2026 war sie gefühlt in jedem zweiten Vortrag Thema. Gemeint ist eine faktenbasierte Seite, die KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity eine eindeutige, maschinenlesbare Referenz über ein Unternehmen, eine Person oder ein Produkt liefert.
Klingt nach dem nächsten großen Ding. Aber ist es das auch? Wir fassen die aktuelle Studien- und Diskussionslage zusammen, ordnen die durchaus starken Gegenstimmen ein und geben klare Empfehlungen, wann sich eine Grounding Page wirklich lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Grounding Page ist eine nüchterne Faktenseite, die KI-Systemen hilft, eine Entität korrekt zu erkennen und zu zitieren.
- Sie ersetzt kein SEO, sondern ergänzt es – und wirkt nur, wenn die technischen Grundlagen stimmen.
- Etablierte Stimmen wie Lily Ray, Dr. Mario Fischer und Christian Kunz sehen den Trend kritisch.
- Fazit: kein Wundermittel, aber ein sinnvoller Baustein für Unternehmen, die früh in KI-Antworten präsent sein wollen.
Was ist eine Grounding Page?
Eine Grounding Page ist eine eigene, strukturierte Faktenseite auf der eigenen Website. Sie ist kein Marketingtext, sondern ein sachlicher Steckbrief über ein Unternehmen, eine Person oder ein Produkt. Ihr Ziel ist nicht, zu verkaufen oder Klicks zu generieren, sondern KI-Systemen eine verlässliche, zitierfähige Quelle zu bieten – vergleichbar mit einem Enzyklopädie-Eintrag: sachlich, neutral, ein Fakt pro Aussage, keine Adjektive.
Die Idee hinter dem Grounding-Page-Standard
Der Grounding-Page-Standard wurde Ende 2025 von Hanns Kronenberg (Head of SEO bei Chefkoch) als offener Standard veröffentlicht und über das Grounding Page Project dokumentiert. Ausgangspunkt war eine konkrete Beobachtung: Große Sprachmodelle geben bei unklaren Entitäten zunehmend falsche oder erfundene Informationen aus. Besonders betroffen sind mittelständische Unternehmen, Fachexperten und regionale Marken, für die oft keine eindeutige digitale Referenz existiert. Genau diese Lücke soll eine Grounding Page schließen.
Enge und breite Definition einer Grounding Page
In der Praxis kursieren zwei Interpretationen des Begriffs. Beide verfolgen dasselbe Ziel – Mehrdeutigkeit reduzieren –, unterscheiden sich aber im Umfang:
- Enge Definition (nach dem Standard)
- Eine dedizierte Entitätsseite: ein faktischer Steckbrief mit sichtbarem Verifizierungsdatum und klarer Abgrenzung zu ähnlichen Entitäten.
- Breite Definition (in der Szene verbreitet)
- Jede stark strukturierte, zitierfähige Referenzseite – mit Definitionen, Vergleichstabellen, FAQs und klar getrennten Inhaltsblöcken, die KI-Systeme als eigenständige Antwort-Bausteine verwenden können.
Warum eine Grounding Page laut Campixx relevant ist
KI-Systeme liefern nicht mehr nur Links, sondern fertige Antworten – und entscheiden dabei mit, welche Entitäten verstanden, genannt und zitiert werden. Wer seine Website nur für Rankings und Conversion optimiert, ist nicht automatisch dafür aufgestellt, von einer KI als verlässliche Quelle erkannt zu werden. Genau hier setzt das Grounding-Argument an.
Ranking und Grounding sind nicht dasselbe
Die wichtigste konzeptionelle Unterscheidung stammt nicht aus der SEO-Szene, sondern aus einem Engineering-Blogpost von Microsoft AI mit dem Titel „Evolving role of the index: From ranking pages to supporting answers". Sie trennt zwei grundlegend verschiedene Aufgaben:
Welche Seite sollte ein Nutzer besuchen? Ziel: möglichst viele relevante Optionen anbieten.
Welche Information kann ein KI-System verantwortungsvoll nutzen, um eine Antwort zu konstruieren?
| Kriterium | Ranking (klassische Suche) | Grounding (KI-Antworten) |
|---|---|---|
| Einheit | Ganze Dokumente / Seiten | Isolierte, belegbare Einzelfakten |
| Umgang mit Widersprüchen | Eine Quelle wird höher platziert, Nutzer entscheidet | Konflikt muss aktiv erkannt werden, sonst droht eine falsche Aussage |
| Folge eines veralteten Inhalts | Schlechteres Ranking | Direkt eine irreführende Antwort |
Die vier Risiken, die eine Grounding Page adressiert
Hanns Kronenberg beschrieb in seinem Campixx-Vortrag vier strukturelle Risiken, die entstehen, wenn eine Website für KI-Systeme nicht eindeutig lesbar ist:
- Halluzinationen
- Die KI erfindet fehlende Fakten, statt auf gesicherte Angaben zurückzugreifen.
- Entitätsverwechslung
- Ähnliche Namen oder Konzepte werden vermischt, weil eine klare Abgrenzung fehlt.
- Nichtnennung
- Die Entität taucht in Antworten gar nicht erst auf, weil die Signale zu schwach sind.
- Englisch-Dominanz
- Nicht-englische Entitäten werden benachteiligt, weil viele Modelle intern auf englischsprachige Quellen zurückgreifen.
Was auf eine gute Grounding Page gehört
Eine gute Grounding Page beantwortet fünf Fragen: Was ist das, für wen ist es, welche Eigenschaften hat es, warum stimmt die Aussage und woher stammt die Information? Marketingtexte sind dabei kontraproduktiv – was KI-Systeme brauchen, sind extrahierbare Fakten.
Die Pflichtelemente einer Grounding Page
- Klare Definitionen statt werblicher Umschreibungen
- Strukturierte Daten (Schema.org / JSON-LD), sauber ins statische HTML eingebettet
- Tabellen, FAQs und Fragen-Antwort-Blöcke, die für sich funktionieren
- Konkrete Fakten: Namen, Leistungen, Standorte, Ansprechpartner
- Sichtbares Aktualisierungs- bzw. Verifizierungsdatum
- Genannter Autor und, wo sinnvoll, Quellenangaben
Strukturierte Daten sind dabei kein Selbstläufer, sondern eine Hilfsschicht, die richtig eingesetzt werden muss: mit passenden Schema-Typen, valide ausgezeichnet und nicht per JavaScript nachgeladen. Wie groß ihr Einfluss auf die KI-Sichtbarkeit tatsächlich ist und wo die Grenzen liegen, haben wir im Beitrag zu strukturierten Daten für die KI-Sichtbarkeit ausführlich eingeordnet.
Die Grounding Page in der Kritik
So viel Aufmerksamkeit das Thema auf der Campixx bekam, so deutlich fielen auch die Gegenstimmen aus. Sie kommen nicht von Randfiguren, sondern von etablierten Stimmen der Branche. Wer eine Grounding Page plant, sollte diese drei Einwände kennen.
Einwand 1: „Alter Wein in neuen Schläuchen"?
Vieles am Grounding-Konzept ist nicht neu, sondern gutes SEO unter neuem Namen. Lily Ray (Amsive) eröffnete die Campixx mit der These, dass der Großteil dessen, was als eigenständige GEO-Disziplin verkauft werde, in Wahrheit neu verpacktes, fundamentales SEO sei – eine Einschätzung, die laut Ray auch Google in seiner eigenen Dokumentation teilt. Dr. Mario Fischer argumentierte ähnlich: Viele angeblich neue KI-Optimierungstipps seien seit zehn bis fünfzehn Jahren als gutes SEO bekannt, echte KI-spezifische Stellschrauben seien rar und schwer messbar.
Einwand 2: Eine Grounding Page wirkt nur, wenn sie rankt
Eine Grounding Page, die selbst nicht rankt, bringt wenig – das ist der gewichtigste inhaltliche Einwand. KI-Systeme ziehen ihre Antworten überwiegend per Retrieval (RAG) aus den organischen Suchergebnissen. Zwei Datenpunkte stützen das:
Die Konsequenz: Eine Grounding Page, die selbst nicht rankt, kann sogar mit der eigentlichen Unternehmensseite konkurrieren, statt zu helfen.
Einwand 3: Der CTR-Einwand von Christian Kunz
Christian Kunz (SEO Südwest) bringt ein mögliches Negativsignal ins Spiel. Eine Grounding Page muss indexierbar bleiben, damit KI-Systeme sie lesen – gleichzeitig erzeugt sie in der klassischen Suche Impressionen, die selten zu Klicks führen. Man könne argumentieren, dass jede klicklose Impression als negatives Signal für die gesamte Website gewertet werde. Belastbar bewiesen ist dieser Effekt bislang nicht, und er skaliert vor allem mit der Sichtbarkeit der Seite. Bei einer klassischen Nischenseite mit wenig Suchvolumen dürfte das Risiko gering sein – kennen sollte man den Einwand trotzdem.
Ehrliche Einordnung
Die Kritik entwertet die Grounding Page nicht, sie relativiert sie. Eine schlechte Website wird durch eine Grounding Page nicht plötzlich sichtbar. Aber eine gute Website kann durch sie deutlich besser von KI-Systemen verstanden werden. Die Grounding Page ist ein Hebel – aber nicht der erste.
Brauche ich wirklich eine eigene Grounding Page?
Nicht jede Website braucht eine dedizierte Grounding Page. Wer bereits auf saubere SEO-Strukturen, hochwertige Inhalte und strukturierte Daten setzt, hat einen großen Teil der Arbeit schon getan. Die folgende Übersicht hilft bei der Entscheidung.
Wann sich eine Grounding Page lohnt – und wann nicht
| Situation | Eigene Grounding Page sinnvoll? |
|---|---|
| Über-uns-Seite ist bereits nüchtern, faktisch und stabil | Meist nein – eine Anpassung der bestehenden Seite reicht |
| Bestehende Seiten lassen sich nicht faktisch stabil halten | Ja – eine dedizierte Seite schafft eine stabile Referenz |
| Marken- oder Personenname ist verwechselbar | Ja – klare Abgrenzung reduziert Entitätsverwechslung |
| Internationale Sichtbarkeit ist relevant | Ja – idealerweise mit englischer Version |
| Fakten sind über das Web verstreut oder widersprüchlich | Ja – eine Single Source of Truth schafft Klarheit |
Die Grounding Page messbar machen
Ob eine Grounding Page überhaupt als Quelle herangezogen wird, lässt sich inzwischen prüfen. Microsoft zeigt in den Bing Webmaster Tools über das Feature „AI Performance" an, welche URLs für welche Grounding Queries als Quelle zitiert wurden – inklusive Häufigkeit und auslösender Suchphrase. Das ist derzeit eines der wenigen öffentlich zugänglichen Werkzeuge, um KI-Sichtbarkeit konkret zu messen. Wie das Feature funktioniert, haben wir im Beitrag zu AI Performance in den Bing Webmaster Tools beschrieben.
Eine Grounding Page umsetzen: die Schritte
Wenn du dich für eine Grounding Page entscheidest, kommt es auf die Reihenfolge an. Der häufigste Fehler ist, mit dem Inhalt zu beginnen, bevor die Grundlagen stimmen. Gehe in dieser Reihenfolge vor:
- Schritt 1 – Technische Auffindbarkeit sichern: Wenn KI-Bots nicht auf deine Inhalte zugreifen können, ist jede Grounding Page Kosmetik. Die Seite muss indexierbar sein und darf keinesfalls auf „noindex" stehen. Verlinke sie siteweit, am besten im Footer.
- Schritt 2 – Entität eindeutig definieren: Lege fest, wer oder was beschrieben wird, seit wann, mit welchen Leistungen – klar abgegrenzt von ähnlichen Entitäten.
- Schritt 3 – Fakten strukturieren: Ein Fakt pro Aussage, klare Überschriften, extrahierbare Blöcke, gestützt durch valides Schema-Markup.
- Schritt 4 – Englische Version ergänzen: Viele Modelle verarbeiten Inhalte intern auf Englisch, auch bei deutschen Anfragen. Eine englische Fassung erhöht die Chance auf korrekte Zitierung (der sogenannte English-Bridge-Effekt).
- Schritt 5 – Seite stabil halten: Aktualisiere Kerndaten nur bei echten Änderungen und führe das Verifizierungsdatum sichtbar mit. Ständige kleine Änderungen untergraben die Verlässlichkeit.
Grounding ist dabei kein isoliertes Thema, sondern Teil der größeren Verschiebung von klassischem SEO hin zu Generative Engine Optimization. Wer diesen Wandel grundsätzlich einordnen möchte, findet die Zusammenhänge in unserem Beitrag Von SEO zu GEO.
Fazit: Die Grounding Page ist ein Baustein, kein Wundermittel
Der Hype um die Grounding Page hat einen wahren Kern: KI-Systeme entscheiden zunehmend mit, wie Marken dargestellt werden, und eine klare Faktenbasis reduziert das Risiko von Halluzinationen und Verwechslungen. Gleichzeitig zeigen die Gegenstimmen, dass eine Grounding Page kein Shortcut ist. Sie greift erst, wenn die technischen und inhaltlichen Grundlagen stimmen, und sie ersetzt weder gutes SEO noch den Aufbau von Reputation über externe Quellen.
Für Unternehmen, die sich früh auf eine KI-getriebene Informationswelt vorbereiten wollen, ist sie ein sinnvoller, aber nachgelagerter Hebel.
Wird dein Unternehmen von KI-Systemen erkannt und zitiert?
Als GEO Agentur analysieren wir, wie ChatGPT, Gemini und Google AI Overviews dein Unternehmen aktuell wahrnehmen – und ob eine Grounding Page für dich sinnvoll ist. Wir strukturieren deine Entitäten, Fakten und Inhalte so, dass KI-Systeme sie als verlässliche Quelle heranziehen können.
Mehr zur GEO Agentur →Häufige Fragen zur Grounding Page
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