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Alles was Recht ist: Anwalt André Stämmler über Eure Rechte am eigenen Werk.

Mehr Wissen, mehr Schutz

André Stämmler ist Anwalt für Recht in IT, Medien und Urheberangelegenheiten. Für uns beleuchtet er Themen zu Stolpersteinen und Fragen, die Euch im Online Alltag begegnen. Heute geht er der Frage auf den Grund: Was sind Eure Rechte am eigenen Content? Und vor allem – wie müsst Ihr mit dem Eigentum von anderen im Internet umgehen?

Das Urheberrecht dient dem Schutz persönlicher geistiger Schöpfungen einer Person. Dieser Schutz gilt selbstverständlich auf für das Internet. Jeder kennt es: ein gutes Bild oder ein spannender Text von einer Webseite verleitet leicht einfach zu kopieren. Das damit vielleicht das Urheberrecht des Künstlers verletzt wird, wissen viele nicht. Das ist für den Künstler ärgerlich und kann für den Nutzer teuer werden.
Nach diesem Beitrag wisst Ihr, wie Ihr mit fremden Content umgehen dürft und wie Ihr Eure eigenen Werken am besten vorbereitet.

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1. Was ist geschützt?

Wichtig

Ein guter Leitsatz für Urheberrecht ist: Alles, was nicht meiner Idee, Designkunst und Tastatur entstammt, ist vor mir urheberrechtlich geschützt.

Bilder

Auf der Beliebtheitsskala vornweg bei den Urheberrechtsverletzungen sind Bilder. Ob jemand unerlaubt Bilder verwendet, lässt sich z. B. durch die Google-Bilder-Suche aufdecken und ist leider auch zu einem attraktivem Geschäftsmodell für Abmahner geworden. Wann, wie und unter welchen Bedingungen ein Bild eingebunden werden kann, habe ich bereits in einem eigenen Beitrag dargestellt. Sollte doch mal was schief laufen, sollten beide Seiten entspannt bleiben. Für den Fotografen reicht vielleicht schon ein kurzer Anruf um die Sache zu klären.
Video
Auch Videos sind selbstverständlich ebenfalls urheberrechtlich geschützt. Es gibt zwei Varianten Videos auf eigenen Blogs der Website zu verwenden: Das sogenannte Framing oder der Upload von Videocontent. Die erste Option stellt keine urheberrechtlich relevante Handlung dar. Denn während das technische Einbetten von Videos z. B. aus Youtube in der Regel unproblematisch ist, ist für den Upload von Videos auf die eigene Seite eine entsprechende Lizenz von Nöten.
Das gilt jedenfalls sofern das Video auch legal bei der ursprünglichen Plattform eingestellt wurde. Ist das verwendete Video nicht legal auf Youtube hochgeladen, ist die Rechtslage noch nicht abschließend geklärt.
Musik & Texte
Musik und Texte sind ebenfalls urheberrechtlich geschützt und dürfen genau wie Bilder oder Videos nicht einfach übernommen werden. Kleinste Wortbestandteile eines Textes oder insgesamt nur sehr kurze Texte genießen in der Regel keinen urheberrechtlichen Schutz. Bei Tweets auf Twitter kann dies aber schon streitig sein. Auch diese sollten nicht ohne weiteres übernommen werden.
Datenbanken
Oft unterschätzt wird der urheberrechtliche Schutz von Datenbanken. Probleme entstehen hier meist im Bereich des sogenannten Screen-Scraping. Wer der Meinung ist, schnell mal die (Webseiten-) Datenbank eines Konkurrenten auszulesen oder ein E-Mail-Verzeichnis, setzt sich damit schnell der Gefahr einer Urheberrechtsverletzung aus. Lediglich das Vervielfältigen „unwesentlicher“ Teile einer Datenbank ist hier in der Regel unproblematisch. Die Grenze wird man bei höchstens 10% Prozent ziehen können. Gerade beim Screen-Scraping können aber noch eine Reihe anderer Probleme wie unlauterer Wettbewerb oder Aspekte des Strafrechts auftreten.
Webseiten
Webseiten können ebenfalls urheberrechtlichen Schutz genießen. Diese müssen aber eine sehr individuelle Gestaltung haben und sich von anderen Webseiten im Netzt deutlich abheben. Insbesondere bei der Nutzung eines Standard-Themes wird es kaum Schutz durch das Urheberrecht geben.

2. Beachtenswert

Auch wenn viele Inhalte heute im Netzt frei zugänglich sind, können diese urheberrechtlichen Schutz genießen. Wer also fremde Inhalte nutzen möchte, sollte darauf achten, dass die entsprechenden Rechte vorliegen. Unterliegen Inhalte einer sogenannten CC0 Lizenz oder public domain können diese uneingeschränkt genutzt werden. Wer die Rechte an geschützten Inhalten erhält, sollte darauf achten, dass er sich an die erlaubte Nutzung hält. Ein Überschreiten der erlaubten Nutzung stellt ebenfalls eine Urheberrechtsverletzung dar.
Das Einbetten von Inhalten mittels eines iFrames ist in der Regel unproblematisch. Relevante Handlungen sind meist das Vervielfältigen und das öffentliche zugänglich machen. Letzteres ist, juristisch formuliert, immer dann gegeben, wenn ich einen Inhalt derart veröffentliche, dass jemand von einem Ort und zur einer Zeit seiner Wahl darauf zugreifen kann. Bestes Beispiel: Das Onlinestellen auf der Webseite. Dass man sich unter Umständen erst auf der Webseite einloggen muss und der Zugang geschützt ist, ändert an der öffentlichen Zugänglichmachung nichts.

https://giphy.com/gifs/space-moon-mars-3oEjI96ryYFtijYjss

Und was ist mit Zitaten?

Eine sogenannte Schranke des Urheberrechts ist das Zitatrecht. Wer einen urheberrechtlichen Inhalt übernimmt um damit den eigenen Inhalt zu erläutern, kann sich meist auf das sogenannte Zitatrecht berufen. Die reine Übernahme zu Werbezwecken oder weil der Inhalt einfach gefällt, reicht nicht aus.

Noch was zu Abmahnungen.

Auf vielen Seiten liest man im Impressum Sätze wie:

Keine Abmahnung ohne vorherige Kontaktaufnahme

Eine derartige klauselige Formulierung ist irrelevant und ändert an der Rechtmäßigkeit einer Abmahnung nichts.Nur wenn der Abmahner eine ähnliche Klausel nutzt und dann gleich abmahnt, kann das im Zweifel rechtsmissbräuchlich sein.

In Short

CC0 heißt ihr könnt den Content uneingeschränkt nutzen

Videos könnt ihr ziemlich problemlos auf Webseiten einbetten

Zitate müssen genau angegeben werden

Habe ich die Lizenzrechte für einen bestimmten Content erworben, muss ich mich auch genau an diese halten

Auch Datenbanken und Webseiten unterliegen dem Urheberrecht

Für alle, dir noch mehr Wissen wollen:

  • Aktuelle News zu den Themen Datenschutz, IT und Medienrecht findet Ihr direkt bei André Stämmler
  • Schon bald dürft Ihr euch auf einen neuen Gastbeitrag zum Hashtag #RechtsIsts freuen
  • Welche Themen euch noch erwarten, erfahrt Ihr hier
  • Bis dahin haben wir noch ein wenig Lesestoff zum Thema für Euch zusammengestellt:

 

Wir freuen uns sehr, dass Ihr mit André jemanden habt, der Euch zu aktuellen und generellen Problemen Überblick verschafft. Er ist mit Leib und Seele Anwalt und Berater und weiß, worum die Gedanken bei Online-Shop Betreibern, E-Commerce Spezialisten und Marketing Agenturen kreisen. Denn den eigenen Webauftritt oder das Online Marketing rechtskonform zu halten, bleibt eine tägliche Herausforderung!
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