Mit Google Analytics, Piwik oder Etracker sollen Nutzer im Web identifiziert und ihr Verhalten – üblicherweise zu Webezwecken – analysiert werden. Wer das nicht will, kann dem relativ einfach entgehen, zum Beispiel per Opt-out-Cookie oder Browserplugin. Mit einer neuen Tracking-Methode könnte es aber mit diesem Rest Anonymität vorbei sein: Gegen das sogenannte Canvas Fingerprinting kann man (fast) nichts machen.

Canvas Fingerprinting: So funktioniert’s

Beim Canvas Fingerprinting löst das Ansteuern einer Seite, die diese Funktion aktiviert hat, die Erstellung eines für den Nutzer unsichtbaren Bildes aus. Wie dieses Bild aussieht, hängt von verschiedenen Einstellungen am PC des Nutzers ab – zum Beispiel vom verwendeten Browser, der Auflösung und vielem mehr. Damit wird das Bild für jeden Computer einzigartig: Nutzern bzw. deren Geräten wird eine Ziffernfolge zugewiesen, anhand derer sie wiedererkannt werden können.

Eingesetzt wird diese Technik aktuell vor allem von einem Unternehmen, nämlich AddThis.com. AddThis soll Canvas Fingerprinting unter anderem auf Seiten wie wetter.com, kicker.de, computerbild.de oder sogar der Seite des Weißen Hauses ausgeben. Welche Internetseiten das Script, das für dieses Tracking notwendig ist, aktuell verwenden, kann man auf dieser Liste nachsehen. Dabei hat sich allerdings herausgestellt, dass viele Webseitenbetreiber gar nicht wussten, dass das Tracking auf ihren Seiten aktiv ist. Einige wollen sich darum kümmern, dass es wieder abgeschaltet wird.

Zahlen und Fakten

Datenschutz: Noch lange nicht überall angekommen
Eine aktuelle Studie von aQvisit.com (Juli 2014) beschäftigt sich mit Datenschutz in deutschen Webshops:
6.253 Shops wurden untersucht
Google Analytics wird in 3.327 Shops eingesetzt
1.356 der Shops mit Analytics, also 41%, verstoßen gegen die aktuellen Datenschutzbestimmungen
Auf 1.277 der untersuchten Shops wurde kein gängiges Webtracking gefunden

 

Die Studie im Detail:
Webshop Datenschutz Monitor 2014

Übliche Hilfsmittel wie Browsereinstellungen oder Werbeblocker versagen

Manche Nutzer schützen sich durch Cookie-Einstellungen oder Plug-ins davor, beim normalen Tracking einer Webseite erfasst zu werden. Diese Techniken funktionieren beim Canvas Fingerprinting nicht mehr: Das Script wird einfach im Hintergrund ausgeführt, mit Cookie oder ohne. Eine der wenigen Möglichkeiten, sich aus dem Tracking auszuschließen, ist, JavaScript beim Surfen vollständig oder zumindest für alle Webseiten, die das neuartige Tracking einsetzen, zu deaktivieren. Darunter leidet allerdings die Ansicht vieler großer Shops und Webseiten, und gerade für Nutzer, die nicht sehr internetaffin sind, gestalten sich Möglichkeiten wie diese eher schwierig. Laut AddThis.com kann man sich aber durch die Installation eines Opt-out-Cookies speziell für Dienste von AddThis vom Tracking ausschließen lassen. Ob dies funktioniert, kann der Nutzer allerdings nicht überprüfen.

 

Können wir das Tracking bald auf allen großen Webseiten im Netz erwarten?

Bisher werden die Daten laut Aussage von AddThis.com nicht für Werbezwecke verwendet; die Integration ist nur ein Testlauf. Die erzeugten Bilder können noch nicht immer eindeutig zugeordnet werden, womit die Leistung der Methode aktuell nicht überzeugt. Es ist also möglich, dass AddThis.com das Tracking in Kürze erst einmal wieder einstellt.

Fazit: Es gibt Argumente für und gegen Canvas Fingerprinting

Für Werbetreibende könnte dieses Tracking eine tolle Innovation sein, um Online-Anzeigen noch zielgenauer zu platzieren: Durch eine zielgruppengenaue Ansprache steigen nicht nur die Erfolgschancen des werbenden Unternehmens. Zusätzlich erhält ein User mit immer höherer Wahrscheinlichkeit Produktanzeigen, die für ihn tatsächlich relevant sind. Damit wird Werbung für ihn hilfreicher denn je und kann, richtig platziert, sogar den Alltag erleichtern. Durch die Art des Trackings – ein Bild pro Computer – bleiben die gesammelten Daten außerdem in gewisser Weise anonymisiert: Sie werden keiner Person als solcher zugeordnet.

Datenschützer und Verbraucher machen sich aber vor allem Sorgen darum, dass das Tracking nur schwer unterbunden werden kann. Nutzern, die einem Tracking ihres Verhaltens zu Werbezwecken negativ gegenüber stehen, sollte man im Sinne des Datenschutzes ermöglichen, sich vollständig und mit wenig Aufwand von diesem Tracking auszuschließen. Dies garantiert beispielsweise auch das datenschutzkonforme Einbinden von Google Analytics. Hier muss für eine rechtlich einwandfreie Nutzung nämlich gewährleistet sein, dass dem Tracking widersprochen werden kann.

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