Diaspora* wird Open Source

Mal ehrlich: Welcher Otto-Normal-Verbraucher mit einem Facebook-Account, der regelmäßig bei Amazon bestellt und vielleicht noch ein PayPal-Konto sein Eigen nennt, kennt Diaspora? Richtig: Die Zahl dürfte ziemlich gering sein. Dennoch nutzt eine Community von circa 350.000 Mitgliedern das verteilte System. Denn Diaspora (und auch andere Netzwerke dieser Art) bleibt werbefrei. Das Netzwerk selbst finanziert sich über Spenden. Wie es momentan aussieht, kann Diaspora nicht an den Erfolg vom König der Netzwerke anschließen – doch was, wenn doch?

Diaspora*: Das „Anti-Facebook“

Über den telling name, der diese Plattform schmückt, erfahren wir, sofern des Griechischen mächtig, worum es geht, nämlich um das Verstreuen von Nachrichten. Sie sollen weitergetragen werden wie die Samen einer Pusteblume, was der Stern hinter dem Namen darstellen soll. Aber auch das System selbst kann als verstreut beschrieben werden, da es als verteiltes System angelegt wurde. Und finanziert wurde es ebenfalls über eine Art Verstreuung: Über die Crowdfunding-Website Kickstarter. Spenden von über 200.000 Dollar hat das Kickstarter-Projekt innerhalb kürzester Zeit eingenommen und konnte seine Alpha-Version am 23. November 2010 starten. Als „Anti-Facebook“ wird Diaspora aufgrund der Tatsache bezeichnet, da eben die Verstreuung der Server als geteilte oder dezentrale Systeme im Gegensatz zu zentralen Systemen wie das von Facebook arbeiten. Andererseits bezeichnen einige Diaspora auch als „Anti-Facebook“, weil sie Diaspora aufgrund der Selbstbestimmung des Nutzers als antisozial ansehen. So wird dem Netzwerk unterstellt, dass die Nutzer eben nicht wie bei Facebook in der Öffentlichkeit stehen, sondern sich in ihrer im Gegensatz zum Netzwerk-Riesen eher bescheidenen Community abschotten – auch untereinander. Das kann man sehen, wie man will. Eigentlich wurde Diaspora als Gegenstück zum überwachenden System Facebook angelegt.

Verteilung für mehr Privatsphäre und Transparenz

Deshalb könnte Diaspora dieses Motto zugeschrieben werden. Denn durch das verteilte System würde mehr Privatsphäre und Transparenz gewährleitet. Verteilte Systeme stehen im Zusammenhang mit der Transparenz bei Computersystemen, die zentrale Systeme wie Facebook und StudiVZ nicht gewährleisten können. So hat bei Diaspora jeder die Möglichkeit, einen Pod als Server zu betreiben und die Software von Diaspora zu kontrollieren. Und so kann der Nutzer auch selbst entscheiden, wie er Diaspora nutzt und wer auf die Daten, die über den Server zur Verfügung gestellt werden, zugreifen kann und darf. Auch hier also wieder eine Form der Verstreuung hinsichtlich der Server und der Software-Kontrolleure.

Schöne Sache, das

Eigentlich hört sich das nach einer ganz tollen Sache an, die in Sachen Transparenz dem König der Social Networks mehr als nur das Wasser reichen kann. Dennoch hapert es derzeit noch an der Umsetzung, die Community zu vergrößern. Denn die Diaspora-Software-Installation ist zu kompliziert für unsachkundige User. Zu viele Vorinstallationen sind notwendig, bevor man die eigentliche Diaspora-Software zum Laufen bringen kann. Des Weiteren haben sich die Gründer des Netzwerkes gewissermaßen von ihrem Projekt zurückgezogen und Diaspora in die Hände der bestehenden Community gegeben. Dadurch versprechen sie sich, dass neue Ideen zum gewünschten Wachstum der Community führen werden. Ziel ist es, den ab 2010 erwarteten Durchbruch zu erreichen. Ob dies gelingt, liegt sicherlich an der Usability der Software, denn auch hier schläft die Konkurrenz nicht. So ist die Software des verteilten Systems Friendica hinsichtlich der Installationen sehr viel weiter entwickelt.

Was hieße ein Durchbruch von Diaspora für Unternehmen?

Für Online- und Social-Media-Marketing erweist sich Facebook mittlerweile als unverzichtbar. Der Social-Media-Kanal kann hinsichtlich des Kundendialogs wahre Wunder wirken. Umfragen und Support für die Kundenbindung werden immer mehr über Facebook abgewickelt. Wenn nun die verteilten Systeme den zentralen Systemen die Mitglieder abspenstig machten, könnte das auch Auswirkungen auf die Umsatzzahlen von Unternehmen haben. Denn durch die verteilten Server der Plattformen Diaspora und Friendic wird Werbung für das eigene Unternehmen auf sozialen Netzwerken deutlich schwieriger sein, weil Diaspora und die Netzwerke wie Friendica und Libertree werbefrei sind.

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